Der Beitrag von Andreas Wacke untersucht die Rolle sprichwörtlicher Rechtsprinzipien – insbesondere der lateinischen regulae iuris – im römischen Recht sowie ihre Funktion und Bedeutung für die europäische Rechtsangleichung. Ausgehend von einer detaillierten Analyse klassischer römischer Rechtsregeln (z.B. nemo plus iuris, falsa demonstratio non nocet, casum sentit dominus) zeigt Wacke, wie diese Maximen historisch entstanden, wie sie von der mittelalterlichen Rechtswissenschaft weiterentwickelt und in verschiedenen europäischen Rechtsordnungen rezipiert oder transformiert wurden. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern solche prägnanten, oft metaphorisch formulierten Rechtsparömien als „gemeinsames juristisches Erbe Europas“ dienen und eine Brücke zwischen unterschiedlichen nationalen Rechtsordnungen bilden können. Wacke argumentiert, dass diese traditionellen Maximen nicht nur didaktischen Wert besitzen, sondern als dogmatische Orientierungspunkte zur Rekonstruktion materieller Rechtseinheit innerhalb Europas beitragen können. Die Untersuchung zeigt zugleich, wo nationale Kodifikationen gemeinsame Prinzipien aufgegriffen, modifiziert oder verworfen haben, und plädiert für eine bewusste Nutzung dieses gemeinsamen Fundus im Zuge einer künftigen europäischen Rechtsvereinheitlichung.
Klíčová slova:
regulae iuris; Rechtsparömien; römisches Recht; europäische Rechtsangleichung; Rechtsvergleichung; Rechtsgeschichte; juristische Maximen; ius commune; Rechtsprinzipien;